Fach-Forum Immissionsschutz

Lärm / Luftverschmutzung / Geruch / Störfall / nachträgliche Anordnungen

 
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   Uran im Split zum Wegebau aus dem OdenwaldUran im Split zum Wegebau aus dem OdenwaldUran im Split zum Wegebau aus dem Odenwald  von: RA Matthias Möller-Meinecke [2010-05-13]
Der Musterkläger gegen einen Steinbruch im südlichen Odenwald weist durch Vorlage eines aktuellen interdisziplinäre Gutachtens des Physikers Professor Alois Göpfert und Kollegen auf die Gesundheitsrisiken des dort gewonnenen Uranerzes und der Radongase hin.
Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis:

„Die Strahlenexposition der Bevölkerung durch die Emissionen radioaktiver Substanzen aufgrund des Betriebes des Steinbruchs Mackenheim wird von den Gutachtern des Steinbruchbetreibers, dem TÜV, dem Regierungspräsidium Darmstadt, einem Institut für Wasserforschung (ESWE) und der zuständigen Bergbau-Berufsgenossenschaft als unbedenklich und hinnehmbar bewertet.

Die Akten des beim Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) dokumentieren umfangreiche Untersuchungen des Steinbruches in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit rund 20.000 Messungen. Die Dokumente des HLUG belegen zahlreiche Funde und Analysen von uranhaltigen Gesteinsproben im Steinbruch Mackenheim. Der Steinbruch Mackenheim wurde in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts systematisch auf Uranvorkommen untersucht.

Der Bericht über die Arbeiten des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung für das Jahr 1975 beschreibt u.a. die geologischen, mineralogischen, geochemischen und radiometrischen Untersuchungen im Steinbruch Mackenheim. Anhand von Szintillations-Messungen wurden bis 1975 bereits drei gangförmige Uranvererzungen und 16 Stellen mit erhöhter Gamma-Aktivität auf 3 800 m Messstrecke entlang der Aufschlusswände ermittelt. Die maximale Gamma-Aktivität betrug 400 000 Imp/min (ca. 150mal background).

Weitere gangförmige Uranvererzungen im nördlichen, sowie im mittleren und südlichen Teil des Steinbruchs wurden im Jahr 1977 aufgeschlossen. Die Uranvorkommen im Steinbruch Mackenheim weisen Konzentrationen von bis zu 5 % auf.

Das davon ausgehende Gefährdungspotenzial für die Nachbarschaft des Steinbruchs wird in den durch den Genehmigungsbescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt vom 16. November 2004 genehmigten Antragsunterlagen des Steinbruchbetreibers vom 04. August.2003 zur Erweiterung des Steinbruchs in Mackenheim nicht angesprochen.

Das TÜV-Gutachten zur Staubprognose, auf welches sich die Bescheide vom 16. November 2004 und 15. April 2005 stützen, ist aus mehreren Gründen methodisch fehlerhaft:

  • Die Staubprognose ist durch keine meteorologischen Messwerte aus Mackenheim validiert.

  • Die Verwendung des den Ausbreitungsrechnungen des TÜV zugrunde liegenden Ausbreitungsmodells ist aufgrund der im Steinbruch vorliegenden Geländesteigungen von mehr als 1:5 unzulässig.

  • Die Modellrechnungen wurden unzulässig für ebenes Gelände durchgeführt. Erhebliche Staubemissionen infolge thermischer Konvektion wurden nicht berücksichtigt.

  • Lokale Windsysteme werden nicht berücksichtigt.

  • Gesetzlich vorgeschriebene Immissionskennwerte werden nicht angegeben.

Auch die Abschätzung der Strahlenexposition der Bevölkerung durch die Emissionen radioaktiver Substanzen aufgrund des Steinbruchbetriebs durch das Regierungspräsidium ist fehlerhaft und unvollständig. Das Regierungspräsidium unterschätzt insbesondere die mit der Steinbrucherweiterung verbundene Verkehrsbelastung und deren Auswirkung auf die Bevölkerung.

Relevante Annahmen und Prognosen im Genehmigungsbescheid des Regierungspräsidiums zum Urangehalt und zum Gefährdungspotential des Betriebes des Steinbruchs durch radioaktive Strahlung sind nicht durch repräsentative radiologische oder meteorologische Vorortmessungen gestützt.

Dieses Gutachten beweist die Notwendigkeit einer Messung der Inhaltsstoffe der vom Betrieb des Steinbruchs ausgehenden Stäube. Bestätigen sich dabei die Erkenntnisse des Landesamtes für Umwelt, ist die Genehmigung der Erweiterung des Steinbruches rechtswidrig und es bedarf wirksamer Auflagen zum Schutz der Nachbarschaft gegenüber den gesundheitsgefährdenden Immissionen des Betriebs des Steinbruchs.“ (GÖPFERT S. 4 f.)

Göpfert kommt abschließend zu der Bewertung:

„Die vorstehend diskutierten Erwiderungen und Stellungnahmen widerlegen die in diesem Gutachten betonte Notwendigkeit einer Messung der Inhaltsstoffe des vom Betrieb des Steinbruchs ausgehenden Immissionen durch radioaktive Stäube und Radongas nicht. Auch die Meßergebnisse der Berufsgenossenschaft bestätigen den Bedarf nach einer Messung.

Die Nachbarschaft zum Steinbruch Mackenheim ist durch die Bescheid vom 16. November 2004 und 15. April 2005 nicht hinreichend gegenüber den radioaktiven Immissionen des Betriebs des Steinbruchs geschützt.“ (GÖPFERT S. 76).


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