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EU: Lärmlimit für Schienenverkehr
Euro­päi­sche Union führt Geräuschgrenzwerte für neue Güter- und Reisezugwagen sowie für Lokomotiven und Triebzüge ein .
Wirksamkeit durch altes Wagenmaterial erst in Jahrzehnten zu erwarten

Für die vielen Millionen Menschen in Deutschland und Europa, die vor allem nachts unter Schienenlärm leiden, ist langfristig Besserung in Sicht: Die Europäische Kommission führt zum 23. Juni 2006 Geräuschgrenzwerte sowohl für neue Güter- und Reisezugwagen als auch für Lokomotiven und Triebzüge ein.

Auch Schienenverkehr stellt eine erhebliche Beeinträchtigung für die Nachbarn der Strecken dar. Nach den neuen Grenzwerte sind die besonders lauten, von Graugussklötzen gebremsten Güterwagen nicht mehr zulässig. Aber angesichts der Restnutzungsdauer alten Wagenmaterial von bis zu 40 Jahren bedeutet dies erst sehr langfristig eine spürbare Entlastung der Bevölkerung vor allem an Strecken mit nächtlichem Güterverkehr. Zusammen mit verbesserter Gleispflege lassen sich so Lärmminderungen um 10 Dezibel (dB(A)) erreichen. Das entspricht - angesichts der logarithmischen Bewertung der Maßeinheit Dezibel - einer Lärmmindeurng durch Verringerung der Verkehrsmengen auf ein Zehntel.

Lärmminderungsmaßnahmen an der Quelle, das heißt an Fahrzeugen und -wegen, sind sehr wirksam und vergleichsweise kostengünstig.

Die neuen Geräuschgrenzwerte gelten für den Stand, das Anfahren und das Fahrgeräusch mit konstanter Geschwindigkeit. In der Entscheidung der Kommission ist auch die Messvorschrift enthalten, mit der die Geräuschemissionen der Schienenfahrzeuge zu prüfen sind. Vor allem wichtig: Die Messungen müssen auf einem leisen Prüfgleis erfolgen.

Den deutlichsten Fortschritt wird die neue Geräuschvorschrift bei den bisher durch Graugussklötze gebremsten Fahrzeugen bewirken. Statt diesen Bremssystemen sind nur noch Kunststoffklotz- oder Scheibenbremsen zulässig. Da fast alle Güterwagen mit Graugussklötzen bremsen, ist der nächtliche Güterverkehr in Deutschland die Hauptquelle für die Schienenverkehrslärmbelastungen der Bevölkerung. Deshalb ist die langfristige Wirksamkeit der Vorschrift sehr hoch.

Neue Lokomotiven und Triebwagen mit besonders lauten Antriebs- und Aggregatgeräuschen dürfen nach in Kraft treten der Vorschrift nicht mehr auf die Schienen. Bei scheibengebremsten Fahrzeugen beschreiben die neuen Grenzwerte allerdings nicht mehr als das heute vorhandene Schallemissionsniveau.

Die Geräuschvorschrift beschränkt sich - wie im europäischen Lärmschutzrecht leider üblich - nur auf Neufahrzeuge. Das ist ein wesentliches Defizit. Wegen der langen Lebensdauer der Schienenfahrzeuge von bis zu 40 Jahren wird den Betroffenen damit nicht kurzfistig geholfen.

Kurzfristige Abhilfe für wenige bietet das seit 1999 laufende Lärmsanierungsprogramm an Schienenwegen. Nur leider stehen dafür zu geringe Haushaltsmittel zur Verfügung, um in der Fläche wirksam zu sien.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission enthält auch Empfehlungen für eine zweite Stufe der Fahrgeräuschegrenzwerte in 10 Jahren: Danach sollen Güter- und Reisezugwagen sowie Lokomotiven um weitere 5 dB(A), Triebwagen um 2 dB(A) leiser werden. Während der vorgesehenen Überarbeitung der Entscheidung wird die Kommission in spätestens 7 Jahren auch Vorschläge unterbreiten, wie sich die Fahrwege und die Wartungsvorschriften für Fahrzeuge in die Geräuschvorschrift einbeziehen lassen.

Die neuen EU Grenzwerte wurden im Amtsblatt L 37 der Europäischen Union am 08.02.2006 verkündet; sie treten am 23. Juni dieses Jahres in Kraft, ohne dass es einer nationalen Umsetzung bedarf. Die Mitgliedsstaaten hatten den Vorschlägen der Kommission zugestimmt.

Die EU-Entscheidung ist unter http://europa.eu.int/eur- lex/lex/LexUriServ/site/de/oj/2006/l_037/l_03720060208de00010049.pdf zu finden.

Nähere Informationen zur Entscheidung und zum Schienenverkehrslärm allgemein sind beim UBA-Fachgebiet Lärmminderung im Verkehr zu erhalten (Postfach 1406, 06813 Dessau, Tel: 0340-2103-2403, Michael Jaecker-Cueppers ( michael.jaecker-cueppers@uba.de ).

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